Ich sehe dich.
Nicht die Version von dir, die du nach außen trägst. Nicht das Lächeln, das du aufsetzt, wenn jemand fragt, wie es dir geht. Ich meine dich – die echte, die müde, die, die sich manchmal fragt, ob sie überhaupt das Recht hat, Raum einzunehmen in dieser Welt.
Vielleicht bist du gerade in einer Situation, in der jemand anderes immer lauter ist als du. Vielleicht hast du dir so lange angewöhnt, dich zurückzuhalten, dass du gar nicht mehr weißt, wie es sich anfühlt, wirklich gehört zu werden. Vielleicht glaubst du – tief in dir drin, auch wenn du es nie laut aussprechen würdest –, dass du irgendwie weniger wert bist als andere.
Das stimmt nicht. Und ich möchte, dass du das heute liest, auch wenn du es bislang nicht glauben kannst.
Ich kenne dieses Gefühl. Ich kenne die Stille, die entsteht, wenn man sich so oft hat sagen lassen, dass man zu viel ist – zu emotional, zu kompliziert, zu empfindlich –, dass man irgendwann selbst anfängt, es zu glauben. Ich kenne die Erschöpfung, die entsteht, wenn man sich täglich bemüht, unsichtbar zu sein, um nicht anzuecken, um den Frieden zu wahren, um zu überleben.
Und ich weiß: Das hinterlässt Spuren. In der Art, wie du redest – leise, entschuldigend, immer mit einem „Aber" am Ende. In der Art, wie du dich bewegst – als würdest du dich für deinen eigenen Platz auf dieser Erde entschuldigen. In der Art, wie du anderen hilfst, bevor du an dich denkst – nicht weil du das wirklich willst, sondern weil du gelernt hast, dass dein Wert daran hängt, nützlich zu sein.
Aber weißt du, was ich über die Frauen weiß, die sich klein fühlen?
Sie sind oft die stärksten Menschen im Raum. Nicht weil sie laut sind. Nicht weil sie sich durchsetzen. Sondern weil sie jeden Tag aufstehen und weitermachen, obwohl sie eine Last tragen, die die meisten anderen gar nicht sehen können. Das ist keine Schwäche. Das ist eine stille, beeindruckende Kraft – auch wenn sie sich so gar nicht anfühlt.
Und diese Kraft gehört dir. Sie war immer in dir. Sie wurde so oft übertönt, übergangen, kleingeredet, dass du sie vielleicht gar nicht mehr spürst.
Innere Stärke ist nicht laut. Sie flüstert. Und manchmal flüstert sie genau in dem Moment, in dem du glaubst, du hast sie verloren.
Ich möchte dich heute um etwas bitten. Nicht um etwas Großes. Nur um eine winzige Geste, die du dir selbst gegenüber machen kannst: Höre auf, dich zu entschuldigen. Nicht für alles auf einmal – das wäre zu viel verlangt. Aber für eine einzige Sache heute. Für deine Meinung. Für deinen Hunger. Für dein Bedürfnis nach Stille. Für deinen Wunsch, gesehen zu werden.
Du darfst das wollen. Du darfst Raum einnehmen. Du darfst laut sein – oder leise. Du darfst wählen, wie du bist. Das ist kein Privileg, das du dir erst verdienen musst. Das ist dein Recht als Mensch.
Selbstwert wächst nicht über Nacht. Das weiß ich. Er wächst in kleinen Momenten: Wenn du zum ersten Mal „Nein" sagst und bemerkst, dass die Welt sich nicht aufhört zu drehen. Wenn du deiner eigenen Intuition vertraust, auch wenn andere das bezweifeln. Wenn du aufhörst, dich für etwas zu schämen, das dir einfach passiert ist – und anfängst zu erkennen, dass du nicht das bist, was man dir angetan hat.
Du bist das, was du daraus gemacht hast. Und du bist bisher nicht fertig.
Ich schreibe diese Zeilen nicht aus einer Position der Überlegenheit heraus. Ich schreibe sie, weil ich selbst dort war – in dieser Dunkelheit, in diesem Gefühl des Unsichtbarseins. Und weil ich weiß, wie viel es bedeuten kann, wenn jemand sagt: Ich sehe dich. Du bist nicht allein. Was du fühlst, ist real. Und es gibt einen Weg heraus – nicht von jetzt auf gleich, aber Schritt für Schritt.
Du musst nicht stark sein, um anzufangen. Du musst nur bereit sein, dich selbst einmal so zu behandeln, wie du andere behandelst – mit Mitgefühl, mit Geduld, mit Würde.
Das ist der erste Schritt zurück zu dir selbst.
Und du bist es wert, ihn zu gehen.
Mit Herz,
Andrea
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