Manchmal reicht ein flüchtiger Blick oder eine kurze Begegnung, und das Urteil steht fest. „Sie ist so schwierig“, heißt es dann. Oder: „Sie wirkt so überheblich.“
Menschen, die mich nicht gut genug kennen, vermuten in mir oft eine Person, die bewusst unnahbar ist. Sie sehen die Fassade und ziehen ihre Schlüsse, ohne jemals den Kern unter der Oberfläche berührt zu haben. Was sie als Charakterzug missverstehen, ist in Wahrheit etwas ganz anderes.
Die Rüstung: Ein Schutzpanzer, kein Charakterzug
Lange Zeit schmerzte es mich, von entfernten Bekannten so eingeschätzt zu werden. Diese unbegründeten Vorurteile trafen mich dort, wo ich ohnehin schon verwundet war. Denn niemand sah den wahren Grund für mein rückzugsartiges Verhalten.
Während meiner Ehe mit einem Narzissten blieb mir keine Wahl: Ich musste einen Schutzpanzer aufbauen. Es war die einzige Möglichkeit, weitere, nicht mehr verkraftbare Schmerzen zu vermeiden. Um potenziellen Angreifern von vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen, legte ich ein dominantes Verhalten an den Tag. Ich wirkte unnahbar, um Angriffe abzuwehren, bevor sie mich erreichen konnten.
Die empathische Frau unter der Oberfläche
Doch dieser Schutzmechanismus war niemals mein wahres Ich. In meinem Inneren blieb ich zu jeder Zeit die empathische und hilfsbereite Frau, die ich im Kern bin – jemand, der sich neben den eigenen massiven Sorgen auch noch die Lasten ihres Umfelds auflud.
Nur wer wirklich an einer echten Freundschaft und an mir interessiert war, dem gelang es, hinter diesen Panzer zu blicken und die Frau zu sehen, die ich wirklich bin.
Vom Überleben zur Selbstbestimmung
In meinem Buch „Diamanten in der Finsternis“ verarbeite ich diesen Weg. Es ist meine Geschichte – die Geschichte von Andrea. Sie zeigt den schmalen Grat zwischen dem Erlöschen der eigenen Identität und dem harten Kampf zurück zum eigenen Licht.
Wie ein Diamant, der unter extremem Druck entsteht, haben mich diese Jahre geformt. Heute bin ich zu einer selbstbewussten Frau gereift, die ihre Geschichte kennt und sie nicht mehr versteckt.
Heute stehe ich hier und kann klar und deutlich sagen:
ICH WAR NICHT SCHWIERIG. ICH WAR VERLETZT.
Und das zu erkennen, war der erste Schritt in meine Freiheit.
Mein Fazit für dich
Solltest du dich heute in einer ähnlichen Situation befinden, möchte ich dir eines mitgeben: Entschuldige dich nicht für deinen Schutzpanzer. Er hat dir geholfen, zu überleben. Aber wisse auch, dass dieser Panzer nicht dein wahres Selbst ist.
Lass uns in den Austausch gehen
Wurdest du auch schon falsch eingeschätzt, weil du lernen musstest, dich zu schützen? Wie gehst du heute mit den Vorurteilen anderer um?
Schreib es mir in die Kommentare – ich freue mich auf deine Geschichte.
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